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ⓘ Verwickelte Geschichte! is eine Posse mit Gesang in 2 Acten von Johann Nestroy. De easchte Auffüahrung woar anonym aum 22. Juni 1850 im Weana Carltheater. Aum 2 ..



                                     

ⓘ Verwickelte Geschichte!

Verwickelte Geschichte! is eine Posse mit Gesang in 2 Acten von Johann Nestroy. De easchte Auffüahrung woar anonym aum 22. Juni 1850 im Weana Carltheater. Aum 29. April 1858 håts a Wiedaauffüahrung von dem Stückl zu Gunstn vom Reschisseua und Schauspüla am Carltheater Johann Baptist Lang in ana vaküaztn Veaseaun gebn.

                                     

1. Inhoit

De reiche Eabin Pauline und da Stern haum bis jetztn a Briaf-Liabschåft gfüaht, owa weu da Stern aus Rom in de Hamat zruck kummt, wean si de zwaa zum easchtn Moi sehgn. Sowoi da Kessel ois aa da Franz san ebnfois in de Pauline valiabt. Da Kessel håt an intregantn Plan, wiar a de Pauline und in Stern ausanaunda bringa kau, ea beauftrågt in Fass, sein politisiaratn Bierfüahra, an Dopplgänga vom Stern zum augaschian, dea duach sei schrecklichs Benehman de Pauline von da Nixwüadichkeit von iahn Gspusi üwazeign soi:

"Larifari! Es soll Einer als dieserjenige erscheinen, das müßt aber Einer seyn, der ihr eine degout beybringt von sich, dann, weiß ich, fallt sie mir ohne Anstand in die Arme. Und den Degoutmacher sollst du auftreiben." I. Act, 3 te Scene

Gleichzeitich mecht de Pauline mit da Hüif von da oidn Mathilde iahn no unbekaunntn Geliabtn prüfn: De Mathilde soi si ois de reiche Eabin ausgebn und waunn da Stern sie trotzdem zwengan Göid nimmt, nåcha wüis eahm nimma haum. De Mathilde putzt si auf jugendlich aussa, in da Hoffnung, dass in Stern wiakli füa si söwa kriagn kau. Da Franz droht da Pauline, das a si zwegn da vaschmähtn Liab daschiasst, de Agnes entdeckt owa, dass a nuar a Pippn in da Haund hoit. Da Fass håt in Wachtl augaschiat, dea wo olladings in Stern sei Diena is und früachar a Vahöitnis mit da Agnes ghåbt håt, wiar olle zwaa no beim Theata gspüit haum. Wia de Mathilde ois Pauline und de wiedarum ois Stubnmadl kumman, is da Wachtl zwoar üwa de oide "Verlobte" entsetzt, ea måcht iahr owa zwegn dem Göid trotzdem in Hof. Da echte Stern eascheint und da Wachtl behaupt frech, ea sei dar anziche wiakliche Stern, da echte Stern nua da ungehoasaume Diena. Da Kessel lasst in Stern duach seine Knecht ausseschmeissn.

De Pauline kaunn de gaunze Gschicht net glaubn und maant, dass den woahn Stern dakennt håt. Dea is üwa sei augebliche Braut tiaf entteischt, håt si dafia Hois üwa Kopf ins "Stubnmadl" Pauline valiabt. Da Fass varråt eahm de Hintafotzichkeit und eakläat eahm:

"Da is kein Loth Stubenmädl dran, Alles reine Fräule Paulin." II. Act, 3 te Scene

Gekränkt mecht da Stern den Spieß umdrahn und jeztn seinaseits de Pauline im Glaubn låssn, ea warat wiakli da Diena. Da Staub, den wo da Franz ois foischn Stern augaschiat håt bringt de Situateaun no meahra duachanaunda. De Pauline mecht drum in Kessel heiratn, weus glaubt, dass von olle aundan betrogn wuan is. Owa zletzt draht si de Gschicht do no zum Guatn und de Richtichn findn zsaumm – da Stern und de Pauline, da Wachtl und de Agnes. Da Kessel ist grantich, da politiknarrische Fass findt a passends Schlusswuat:

"Der Herr heurathet die Fräule, der Diener die Dienerin – wo ist da die allgemeine Standes-Vermischung! – O Deutschland, du bist noch weit vom Ziele!" II. Act, 14 te Scene
                                     

2. Weaksgschicht

A megliche Vualåg is net zum feststöin, aa de genauare Entstehungsgschicht is net bekaunnt. a recht a gschwinds Vafåssn deaf augnumma wean, weu des Stückl scho siebn Wochn nåch da Auffüahrung von Alles will den Prophetn sehn 4. Mai 1850 zum easchtn Moi gspüit wuan is. Da Nestroy håt dabei jede Menge scho vuahaundane Situateaunen und Peasaunantypn aus sein Fundus vawendt: Da unbekaunnte Bräutegam, de unbekaunnte Braut, de Treueprob duach an Pearsaunentausch, de dauandn lateinischn Sentenzn von dem Geleahtn, des si jugendlich auffiahrate "späte Mädchen", de beständichn Vawechslungan und aa de politischn Schlågweata vom Fass san aus aundare von seine Stückln bekaunnt.

So wiad de Treueprob schon in Eine Wohnung ist zu vermiethen in der Stadt 1837 von da Amalie gmåcht, de wo dabei olladings iahn Bräutegam August aun de Luise valiat; da Geleahte gleicht bis ins Klaanste da Figua aus Prinz Friedrich von Corsica zwischn 1822 und 1826/27; da Pauline iah Romansucht is scho bei da Marie im Karikaturen-Charivari mit Heurathszweck 1850 zum findn, då wiad aa da Rointausch auf de Bühne bråcht; da politische Sentenzn in ana dumman Oat nutzate Fass tuat des genau ois wia da Hyginus Heigeign aus Lady und Schneider 1849; de ois Junge auftretate Mathilde findt iah Gegnstückl in da Lucia Distel aus Liebesgeschichten und Heurathssachen 1843. Olle de Rückgriff san owa wiakungslos bliebn, des Stückl is duachgfoin.

De maunchesmoi duachkummate Brutaletät vom Bierfüahra Fass håt da Nestroy zwoa duach Hamua zum ohschwächn vasuacht, trotzdem bleibt de Figua a Radekäula nåch da daumålichn Dikteaun a "Communist", nåchgmåcht dem Barnabas Wühlhuber aus de Fliegenden Blätter:

"Wenn aber mein System durchgreifft – dann – dann fallt auch so manches Opfer meiner Rache. Hir stehn sie auf der Todesliste. Der Gmeindwirth, der mir nicht länger aufschreiben will – stirbt. Der Schneider, dem ich ein neus Gwand zahlen soll, was ich längst zerrissen hab – stirbt. Der Schuster dessen Rechnung ich unter meiner Würde halte, weil er auch unseren Gegnern Vorschub leistet – stirbt – und so sterben noch eine Menge – das gschieht aber Alles erst, wenn ich als Volksmann an die Regierung komm." I. Act, 4 te Scene

In da vaküaztn Auffüahrung vom 29. April 1858 håt da Nestroy de Deutschtümlarei in a Vaeahrung von Amerika, bsundas owa von de Mormonen, umgwaundlt, dabei owa de Gleichmåchareifantasien beibehoitn. Des is insofean erstaunli, weu de Mormonen zu dera Zeit in Östareich fåst unbekaunnt woan.

In da Auffüahrung vom 22. Juni 1850 håt da Nestroy den Wachtl, da Wenzel Scholz den Fass, da Alois Grois den Kessel und da Franz Gämmerler den Stern gspüit. In da Veaseaun vom 29. April 1858 håt da Nestroy den Fass und de Elise Zöllner de Agnes gebn.

1850 ois zweits Stückl bei dera Vuastöllung Zum ersten Male im Theater vom Friedrich Kaiser mitn Nestroy, in Scholz, in Gämmerler und in Grois gebn wuan; 1858 woans daunn de zwaa Stückln Alles mit Dampf und Der Eisstoß vom Anton Bittner, mitn Nestroy und in Karl Treumann. Aa de Stückln haum beim Publekum und bei da Kritik kan Eafoig ghåbt.

De eignhändiche Niedaschrift vom Nestroy untan Titl Verwickelte Geschichte is in zwaa Konvolutn eahoitn, se san früacha getrennt ois "Manuskript" und "Entwurffragment" bezeichnt wuan, ghöan owa zsaumm. De Bladln san dreiteuit, de braade Mittlspoitn håt in Text, auf de schmoin Aussnspoitn san Zuasätz, Korrektuan und Eagänzungan drauf.

De eignhändiche unvoiständiche Partetua vom Stenzl is aa no vuahaundn, se trågt den Titl Couplett. Nestroy. Verwickelte Geschichte. Nua des Couplet vom Fass I. Act, 4 te Scene, dem sei Text nimma zum findn is, steht då drin. Se trågt de oide Signatua vom Carltheater C. T. 68 und de Bezeichnung Lf: 759. Dass des a eignhändiche Niedaschrift is, håt duach Schriftvagleich mit aundare Autographn vom Stenzl belegt wean kenna.

Nåch 1858 håts ka Auffüahrung von dem Stückl meah gebn, aa net in da vaküaztn Veaseaun. Es gibt olladings a leicht vaküazte Aufnauhm im ORF vom 16. März 1958. De Aufnauhm is aum 1. März 1992 Fåschingsdienstag wiadahoit wuan.

                                     

3. Zeidungskritik

Sowoi de Auffüahrung von 1850 ois aa de von 1858 san duachwegs negativ kritesiat wuan. Wäahrend 1850 nua weniche Zeidungan üwahaupts Kenntnis vom Nestroy sein Stückl gnumma haum, is 1858 immahin de schauspülarische Leistung vom Nestroy rech globt wuan.

  • 1850

Im Fremden-Blatt vom 23. Juni 1850 Nr. 148 is nua kuaz unta de "Tagesneuigkeiten" gstaundn:

"Die gestern im Carl Theater zum ersten Male gegebene Posse ‚Verwickelte Geschichte‘ hat nicht angesprochen. Die verbrauchte Intrigue, daß sich ein Anderer für den Bräutigam und eine Andere für die Braut ausgibt, bildet die Grundlage. Gespielt wurde gut, das Haus war gefüllt."

Der Wanderer vom 24. Juni 1850 Nr. 293 håt fåst genau gleich gschriebn und de schauspülarischn Leistungan vom Scholz und vom Nestroy globt:

"Die vorgestern im Carltheater neu gegebene Posse ‚Verwickelte Geschichte‘ konnte nicht durchgreifen, weil der Stoff gar zu verbraucht ist, um nur das geringste Interesse erregen zu können."

Wäahrend Der Humorist vom Moritz Gottlieb Saphir wia fåst imma schoaf kritesiat håt, woa desmoi sogoa de aun si Nestroyfreindliche Wiener Theaterzeitung vom Adolf Bäuerle recht spoasaum mitn Lob und håt aussa de wenichn Wuatwitz und de Situateaunskomik nix Posetivs zum lobn ghåbt.

  • 1858

Im Wanderer vom 30. April 1858 Nr. 98, Abendblatt is schon aum näxtn Tåg a schlechte Kritik gstaundn:

"Drei Stücke und drei Niederlagen – dann wäre über das gestrige Benefiz des Hernn Lang im Carltheater eigentlich genug gesagt. Nach dem zweiten erfolgte allerdings etwas mühsam ein Hervorruf des Verfassers, aber das beweist nur, wie beliebt Herr Nestroy bei seinem Publikum ist, im übrigen langweilte sich dasselbe in allen drei Possen gleichmäßig."

Des Fremden-Blatt Nr. 98 und de oide Presse 1848–1896 Nr. 98 vom söibn Tåg haum in den Chor von da Åblehnung ebnfois eigstimmt. In da Ost-Deutschen Post vom 1. Mai Nr. 99 is in Nestroy sei Stückl no hoibwegs akzeptiat wuan, dezwaa aundan san owa vüi schlechta wegkumma.

Nua de Theaterzeitung vom 1. Mai Nr. 99, S. 395 håt a hoibwegs posative Rezenseaun üwa de Auffüahrung bråcht, wenicha üwa de Stückln söwa, nua de Duastöllung vom Nestroy ois Bierführa Fass is seah globt wuan:

"Was das beweist? Wohl, daß in beiden Fällen In Haltung, Geberden- und Mienenspiel entwickelte der geniale Darsteller wieder all die Eigenthümlichkeiten seiner Darstellung. Stürmischer Beifall, der schon bei Nestroys Eintritt in der Scene ausbrach und minutenlang anhielt, begleitete aich sein Spiel durch den ganzen Abend."


                                     

4. Spätare Fåchkritik

Da Otto Rommel behauptet, de Verwickelte Geschichte! hättat an wenicha guadn Eafoig ghåbt, ois de üwrichn drei Easchtauffüahrungan von 1850 im Carltheater, nämli Sie sollen ihn nicht haben, Karikaturen-Charivari mit Heurathszweck und Alles will den Prophetn sehn. Ea reiht des Stückl – nåch da Manung von aundare Literatuahistorika z Unrecht – in de Kategorie "politisches Werk" ei.

Da Helmut Ahrens vameakt nua kuaz, dass de beim Rommel genaunntn viar Easchtauffüahrungan vom Joahr 1850 olle zsaumm an Duachfoi dalittn hättatn – se olle mitanaunda waratn eigentli nua "Komödchen auf Sparflamme" Zitat.

Beim Otto Forst de Battaglia is zum lesn, dass beim Nestroy zu dera Zeit a deitlichs Schwächawean von seina Schåffnskråft zum bemeakn warat, ea vameakt an Nåchgschmåck von dera Revoleaun von 1848 und dakennt ebnfois a politische Tendenz in dem Text. In Nestroy seine "dramatischen Mahnungen zum friedlichen Bürgerdasein" Zitat mechtat a dabei duachaus dakenna.

Da Walter Obermaier nennt des Weak, trotzn hochn Eawähnungsgrad in da Literatua, des bei weitn schwächste und aum flüchtichstn gmåchte Stückl vom Nestroy aus dera eh scho schwåchn Schåffnszeit. Es måchat

"den Eindruck einer eher lustlos geschriebenen Gelegenheitsposse, die mit ihren beiden Akten mehr der oberflächlichen Befriedigung der Bedürfnisse des Spielplans nach kürzeren Novitäten entsprang als einem nur einigermaßen überzeugenden Einfall ihres Verfassers.".
                                     

5. Literatua

  • Walter Obermaier Hrsg.: Johann Nestroy, Stücke 29. In: Jürgen Hein/Johann Hüttner, Walter Obermaier, W. Edgar Yates: Johann Nestroy, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Franz Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien 1999, ISBN 3-216-30340-3.
  • Otto Rommel: Nestroys Werke. Auswahl in zwei Teilen, Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart 1908.
  • Helmut Ahrens: Bis zum Lorbeer versteig mich nicht. Johann Nestroy, sein Leben. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-7973-0389-0.
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